Erstrebenswert ist folgendes Modell:

Der Begriff Nachhaltigkeit wird mittlerweile inflationär sowohl von der Wirtschaft als auch der Politik verwendet. Es lässt sich auch von Laien recht einfach überprüfen, ob an den Behauptungen etwas dran ist, nämlich mit der Frage: Dreht sich da irgend etwas im Kreis?

Beispiele:

Erdgas: wird gefördert, dann verbrannt > nein

Wasserenergie: Wasser fliesst den Berg runter, verdunstet, regnet, fliesst wieder den Berg runter > ja

Mehrwegflasche: Wird gespült und wieder in den Verkehr gebracht > ja

Einwegpfandflasche: Wird geschreddert und zu neuen Flaschen verarbeitet > ja

Fahrradrahmen aus Bambus und Epoxydharz: nachwachsender Rohstoff wird mit problematischem Stoff untrennbar verbunden, Rahmen kann später nicht kompostiert werden, muss in die Müllverbrennung > nein, aber mit geringerem Einsatz nicht nachwachsender Ressourcen, mit anderer Verbindungstechnik wäre es ein klares ja

Rahmen aus Carbon: Erdölprodukt, muss zum Sondermüll > nein

Rennrad-Bremsschaltgriff von Shimano: nach ressourcenaufwändiger Fertigung recht geringe Haltbarkeit, quasi nicht reparierbar und muss auf den Müll > nein

Alukurbeln von Shimano: hohe Haltbarkeit, Oberflächen können leicht aufgearbeitet werden, später Alurecycling möglich > ja, insofern die Kurbeln tatsächlich auch weiterverwendet werden (Rücknahmesystem nicht vorhanden)

Aus Alt mach neu. Idealerweise werden alle Materialien lokal mit geringstmöglichem Energieeinsatz und unter sozialen Arbeitsbedingungen zu 100% wiederverwendet, so dass aus Fahrradschrott wieder voll funktionsfähige Fahrräder werden, die technisch in Ordnung und optisch ansprechend sind. Die Fahrradindustrie hat in 2021 formuliert, dass sie in den nächsten Jahren in diese Richtung möchte. Richtig so! Die Durchbrechung der Lieferketten im Zusammenhang mit der Corona-Krise hat dieses Umdenken beschleunigt. Die Umsetzung wird jedoch noch dauern, da alle Strukturen seit Jahrzehnten auf Asien, insbesondere Taiwan, ausgerichtet sind.

Wir bauen solche Räder bereits seit 2019, schon in der Saison vor der Corona-Krise. Im Bild ist ein 2020er Basic-Rad vor einem Berg alter Fahrräder zu sehen. Damals wurden wir noch vorsichtig interessiert beäugt, einige fanden es blödsinnig. Das hat sich in kurzer Zeit geändert! Wirklich nachhaltig zu sein ist jedoch äußerst schwierig: Welche Materialien sind haltbar, benötigen zur Verarbeitung wenig Energie, welche Komponenten gibt es mit kurzen Transportwegen, und was passt überhaupt wozu, Stichwort Kompatibilität? Ist Holz besser als Stahl, Nabenschaltung besser als Kettenschaltung, eine Hydraulikbremse aus Deutschland besser als aus Asien, ein deutscher Reifen besser als einer aus Indonesien, ein gebrauchtes Hinterrad besser als ein sorgfältig aufgebautes neues? Wo gibt es Zahnkränze aus europäischer Produktion, Bremsschaltgriffe die besser halten als die marktüblichen? Können wir ein nachhaltiges Lenkerband anbieten, welches aber Latex enthält und somit nicht für Allergiker geeignet ist? Ist nachwachsende Baumwolle aus Übersee besser als Kunststoff aus Deutschland? Soll ein Rahmen entlackt und gepulvert werden, oder tragen wir nur eine dünne Schicht Acryl auf den vorhandenen Lack auf? Und stellen wir die Nachhaltigkeit über alles und können dann nur schlecht liefern, oder welchen Kompromiss finden wir? Sind klassische Daumenschalter besser als Rapidfire-Hebel? Wie können die vielen alten Sättel wiederverwendet werden? Wie können wir nachhaltig ausgerichtete Räder bauen, die sich auch finanziell schlechter ausgestattete Menschen leisten können?

Wir haben unsere Ansätze von 2019 und unsere Erfahrungen aus 2020 und 2021 weiterentwickelt und stellen unsere Komponentenauswahl transparent vor.

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