Was läuft in der Fahrradbranche schief?

Vorne hui, hinten pfui

Das Fahrrad hat ein grünes Image, ist allerdings in den meisten Fällen nicht wirklich grün. Produktionsländer wie Kambodscha und Bangladesch sind auf dem Vormarsch, eine Schwemme an Billigteilen auch an vielen Markenrädern aus dem Fachhandel, lange Transportwege, der steigende Einsatz von nicht recycelbaren Materialien wie Carbon und anderer Verbundwerkstoffe, sowie immer kürzere Produktlebenszyklen lassen die Branche nicht gerade glänzen.

https://www.zeit.de/2019/51/kambodscha-export-fahrraeder-fabrik-arbeitsbedingungen?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de%2F

Vororderdruck

Die Industrie knebelt die Händler mit einem sogenannten Vorordersystem. Das bedeutet, dass ein Händler, ob nun klein oder groß, die Mehrzahl der im Herbst für die Folgesaison bestellten Räder exakt spezifizieren und dann auch abnehmen muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob nachher vielleicht Menschen mit ganz anderen Körpergrößen, Vorstellungen oder Bedürfnissen in den Laden kommen. Jeder bekommt möglichst ein vorrätiges Rad verkauft, da hohe Rechnungssummen bezahlt werden müssen. In der Folge werden Räder für abweichende Einsatzzwecke, in anderen Preisregionen, mit falschen Rahmenhöhen verkauft. Natürlich nicht ständig, aber immer dann, wenn ein Verkauf ansonsten zu platzen droht, weil beispielsweise kein anderes Rad lieferbar ist oder der Kunde damit kurzfristig etwas unternehmen möchte.

Ein unter diesen Bedingungen arbeitende Fahrradhändler wird nur schwer ökologisch und sozial nachhaltig arbeiten können, selbst wenn er es anstrebt.

Fehlende Kundenorientierung

Werkstattkunden haben es in vielen Läden aufgrund dieses Verkaufsdrucks schwer, ein vorhandenes Rad instand setzen zu lassen: Besser ist es für den Händler, für einen ordentlichen Aufpreis ein Rad zu verkaufen. Der seit Jahren anhaltende Fachkräftemangel in den Werkstätten verschärft diese Situation noch. Ein Rad, welches nicht vor Ort gekauft wurde, wird von vielen Händlern noch nicht mal angeschaut oder gar repariert.

Wegwerfen

Wenn man in die Werkstätten schaut, kann man weiterhin feststellen, dass sehr viel weggeworfen wird, was noch zu gebrauchen ist. Dies sind zum Beispiel Kurbeln, die komplett mit Kettenblättern getauscht werden, weil zwei von drei Kettenblättern verschlissen sind. Oder Sattelstützen, wenn eine gefederte Version nachgerüstet wird. Typisch ist auch der Tausch von kompletten Laufrädern, wenn entweder Felge, Nabe oder Speichen beschädigt sind. Nur selten sind alle drei Bereiche beschädigt. Nicht zuletzt bei einem Rahmenbruch wird das komplette Rad weggeworfen und zu einem Neukauf geraten, während der überwiegende Teil der Komponenten noch einwandfrei funktioniert.

Rückwärtstechnik

Eine regelrechte Rückwärtsentwicklung gibt es beim Tretlager: War es jahrzehntelang Standard, ein Lager solide in ein sogenanntes BSA-Gewinde zu schrauben, spart sich die Industrie Montagezeiten mit dem seit einigen Jahren üblichen PressFit-Lager. Dieses wird nur noch eingepresst und besteht aus Kunststoff. Selbst in den teuersten Komponentengruppen sind diese Tretlager nicht mehr haltbar und müssen nach sehr überschaubarer Zeit getauscht werden. Beim Kauf ist dem Verbraucher dieser Umstand in aller Regel gar nicht bewusst.

Moden

Ein weiterer seit vielen Jahren festzustellender Trend ist der Hang zu immer mehr Ritzeln am Hinterrad. War 9fach out und musste 10fach her, ist das nun längst „schlecht“ geworden wie ein Liter Frischmilch, und 11fach oder besser gleich 12fach muss dran, der erste 13fach Antrieb ist auch bereits auf dem Markt. Das „Alte“ wird als nicht mehr akzeptabel wahrgenommen, das Neue muss her. Nun gibt es einige Vorteile dieser feinen Abstufungen, und die sind auch nicht zwangsläufig alle nicht nachhaltig, aber die Denkweise bei diesem Thema ist tendenziell eher von Kurzfristigkeit geprägt.

E-Bikes

Beim Thema Elektromobilität ist die vermeintliche Umweltverträglichkeit bereits so tief im Denken der Gesellschaft verankert, dass einige Fragen gar nicht mehr gestellt werden. Das kommt dem Verkauf zugute und wird deshalb im Verkaufsgespräch meist gar nicht thematisiert. Wie sieht es mit der Haltbarkeit der Akkus aus? Wie sieht es mit der Entsorgungsproblematik aus? Wieso wird eine 40 Jahre alte Akkutechnologie immer noch als Innovation verkauft? Ist das E-Bike denn wirklich Autoersatz, oder nicht eher Autoergänzung? Und wo kommt der Strom für die Akkus her? Welchen Ressourceneinsatz erfordert die Produktion eines E-Bikes?

Das machen wir anders:

Wir bauen unsere Räder „on demand“ und haben nicht den Druck, ein großes Warenlager zu versilbern.

Wir bauen unsere Räder aus einer Kombination von liegen gebliebenen und in Kellern verstaubten Teilen sowie bewährten Neuteilen.

Wir kultivieren wieder die Kunst des Ein- und Umspeichens und bieten hierzu gerne die Verwendung geprüfter Gebrauchtteile an.

Wir reparieren jedes Rad, egal wo gekauft und egal in welchem Zustand.

Wir bieten E-Bikes als UpCycling-Räder an und verstehen dies als Anfang zu einem nachhaltigeren E-Bike.

Wir möchten lieber erhalten als wegwerfen, und lieber erhalten als was Neues verkaufen.

NACH OBEN